Apple

Arm 610 ProzessorLarry Tesler, ein ehemaliger Mitarbeiter von Xerox PARC, übernahm die Führungsrolle bei diesem Projekt und durch den Eingriff von Sculley war die Zeit der freien Entwicklung vorbei: das Produkt sollte stark an seinen ehemaligen Visionen ausgerichtet sein! Zudem existierte nun ein Zeitplan, der einzuhalten war. Sculley erwartete, dass das fertige Produkt am 2. April 1992 zu einem Verkaufspreis von 1500 $ erhältlich sei. Viele Monate des Zeitplanes benötigte allein die passende Größe des Gerätes, das nun handlich und portabel sein sollte. Zusätzlich entwickelte Apple die Programmiersprache Ralph, die einen einfachen objektorientierten Aufbau hatte. Auch der interne Prozessor wurde im Laufe der Entwicklung ausgewechselt, schlussendlich werkelte ein ARM-610-RISC-Prozessor im Newton. Zur CES 1992 sollte Sculley die Eröffnungsrede halten und führte den Newton an, die die gesamte Branche revolutionieren sollte. Sculley ging davon aus, dass der Markt der PDAs bis zum Jahr 2000 bei 3.000.000.000 $ liegen würde. Die Besucher der Eröffnungsrede waren elektrisiert und die Konkurrenz fürchtete das neue Produkt, hatte Apple doch bereits in der Vergangenheit schon einmal mit den Macintosh einen Standard gesetzt. Jeder erfuhr, dass das Unternehmen bereits seit fünf Jahren am Newton arbeitete und das erste neue Produkt sei, dass es seit den Macintosh gab. So euphorisch die Massen auch waren, so ungeduldig die Presse jede noch so kleine Information freudig erwartete: das Unternehmen selbst hatte nur mit Schwierigkeiten zu kämpfen: Der Newton war noch nicht vollständig lauffähig, die Software funktioniert ebenfalls nicht.

Zu diesem Zeitpunkt standen die endgültigen Maße des Produkts noch immer nicht fest und über den geplanten Vertrieb war sich auch noch niemand im klaren. All dies sollte dazu führen, dass das Gerät später erscheinen musste, als es ursprünglich geplant war, doch Sculley blieb energisch und bestand auf den Frühsommer. Dies ließ dem Team keinerlei Luft zum Atmen. Noch immer konnte eine der wichtigsten Funktionen, die Handschrifterkennung, nicht zufriedenstellend betrieben werden. Doch die Zeit rückte immer weiter vorwärts. Apple wurde klar, dass sie die Produktion selbst nicht übernehmen könnten, wenn der Markt wirklich so schwergewichtig werden würde. Sie vergaben Lizenzen und Sharp Griff als erstes Unternehmen sofort zu. Apple hatte zu viele Erfolge, als das die anderen die Unternehmen nicht an den Erfolg des Newton glauben würden. Auch andere Unternehmen sahen das so und kündigten eigene PDAs an (unter anderem Microsoft), immer in der Hoffnung wichtige Marktanteile mitzunehmen.

Apples Newton verspätete sich immer mehr und im Januar 1993 auf der Winter-CES wurde erneut eine frühe Version der Öffentlichkeit vorgestellt. Aber auch diese ließ noch zu wünschen übrig und es dauerte noch bis zum 2. August 1993, bis der Newton, nun MessagePad getauft, der Öffentlichkeit als Verkaufsversion vorgeführt wurde. In der, über sechs Jahre dauernden, Entwicklungszeit verschlang das Projekt mehrere hunderte Millionen Dollar. Als Gegenleistung erhielt man einen handlichen PDA, der eine Bildschirmauflösung von 240 × 336 Pixel besaß und von einem ARM-610, mit 20 MHz, und 640 KByte RAM (und 4 MByte ROM) angetrieben wurde. Und der Prozessor war mehr als sparsam, wenn es um den Energieverbrauch ging: bis zu 14 Stunden reichten die vier handelsüblichen Mikro-Batterien und erlaubten damit viel Bewegungsfreiheit. Zudem konnte man das System hervorragend erweitern und die integrierten Programme ermöglichten jedem Geschäftsmann komfortabel mit seinen Kontakten umzugehen. Die Rechnung schien aufzugehen, denn in den ersten zwei Monaten verkaufte Apple 50.000 Newton und zahlreiche Hersteller boten Produkte für das neue System an.
Doch ein neuer Trend entstand: Besitzer des Newton waren über die mangelhafte Handschrifterkennung sichtlich enttäuscht und mittels Mundpropaganda verbreitete sich diese Nachricht schnell und der Verkauf geriet ins Stocken. Im Nachfolgemonat lag der Verkauf bereits nur noch bei weniger, als 10.000 Einheiten.
Das Schicksal des Newton schien sich auch auf das Schicksal der Beteiligten auszuweiten: Larry Tesler musste das Unternehmen verlassen, nachdem, der geforderte, Zeitplan nicht wunschgemäß erfüllt werden konnte und einige andere Hersteller, noch vor dem Newton, mit günstigeren Varianten, auf ein hungriges Publikum losgelassen wurden.

Auch die anderen Produkte von Apple liefen nicht mehr so hervorragend, da der PC den Markt immer weiter aufrollte. Businessapplikationen beherrschte eigentlich jedes Modell und die wahre Killerapplikation zu jener Zeit waren Computerspiele, ein Segment, auf dem Apple nicht viel bieten konnte, beschäftigten sie sich doch immer mit einem anderen Klientel.
Michael SpindlerIm zweiten Geschäftsquartal 1993 hatte das Unternehmen einen Verlust von 188 Millionen $ zu beklagen und die Geschäftsführung brauchte nun einen Schuldigen und fand ihn in Sculley, der ihrer Meinung nach, das eigentliche Geschäftsfeld des Unternehmens aus den Augen verloren hatte und sich lediglich für sein "Spielzeug" zu interessieren schien. Mitte Juni 1993 verließ er den Posten des CEO und wurde von Michael Spindler ersetzt, ein gebürtiger Deutscher, der den Spitznamen "Diesel" wohl deshalb bekam, weil er unermüdlich arbeitete. Spindler arbeitete bereits seit Jahren für Apple. Dennoch war Sculley noch immer Vorstandsvorsitzender, hatte allerdings den Posten des CEO verloren und war lediglich zur Gallionsfigur verkommen. Dies war allerdings auch nicht von langer Dauer, denn am 15. Oktober schied er endgültig aus dem Unternehmen, nach zehnjähriger Tätigkeit für das Unternehmen, aus. Rückblickend kann man sagen, dass Apple zwar großartige Computer baute, aber die neue Philosophie des Computerbenutzers jener Tage nicht verstand. Auch die zu frühe Präsentation mit seinen Leistung werden, war strategisch gesehen, ein Fehler. Die Konkurrenz konnte daraufhin bereits frühzeitig Stellung beziehen und der Überraschungseffekt war verpufft.
Im Einklang dazu, erteilte das Gericht nun das Urteil im Rechtsstreit zwischen Apple gegen Microsoft, dass sie, die ganze Zeit über, glaubten zu gewinnen. Jedoch war das Urteil ein Schlag ins Gesicht, denn der zuständige Richter sah es nicht als erwiesen an, dass Microsoft gegen die Verträge gearbeitet hatte und dazu den keinerlei Möglichkeit grafische Elemente schützen zu lassen. Doch Apple ließ nicht nach und zog bis vor den Obersten Gerichtshof, die diesen Fall jedoch abgewiesen.

Zurück